Eine literarische Reise zu den Anfängen der modernen Astronomie
O Du mein LILIENTHAL! – (Aber das werCh wohl nich mehr schaffn)) …
(Arno Schmidt, ZETTEL‘S TRAUM, 142)
Wie entstanden die Grundlagen der modernen Astronomie – und wie lassen sie sich literarisch erzählen? Der Roman Lilienthal oder die Entzauberung des Himmels von Jakob Stein verbindet Wissenschaftsgeschichte, Gegenwart und Literatur zu einer ungewöhnlichen Reise durch mehr als 200 Jahre Astronomie. Ausgangspunkt ist die legendäre Sternwarte in Lilienthal, die Anfang des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Europas zählte und Persönlichkeiten wie Gauß, Bessel, Olbers, Herschel, Goethe und Alexander von Humboldt anzog. Parallel dazu begleitet der Roman einen Mitarbeiter des ESOC, der selbst einen historischen Roman über Lilienthal verfasst hat. Im Verlauf der Handlung verschränken sich beide Zeitebenen immer stärker und spiegeln den Wandel unseres Blicks auf den Himmel – von der romantischen Faszination bis zur modernen Wissenschaft. Zugleich knüpft das Werk an ein unvollendetes Romanprojekt Arno Schmidts an, der Lilienthal zu seinem literarischen Hauptwerk machen wollte. Der Vortrag führt durch diese vielschichtige Verbindung von Astronomie-Geschichte, Literatur und Wissenschaft und zeigt, wie sich die Entzauberung des Himmels als Gewinn an Erkenntnis und zugleich als Verlust romantischer Vorstellungen verstehen lässt.