Ein ganz nutzloses, selbst lächerliches Denkmal
Als der Physikalische Verein seinen ersten Plan zur Zeitbestimmung veröffentlicht gibt es harsche Kritik durch den Gelehrten Eduard Rüppell. Lesen Sie hier seine Kritik im Wortlaut.
Mailand, d. 2ten December 1838
Werthgeschätzter Herr Doctor!
Im Laufe dieses Sommers haben Sie mir einmal, – ich weiß noch nicht in Folge welcher Zufälligkeiten – die Ehre erwiesen, mich zum Beiwohnen einer Versammlung des Ausschusses des Physikalischen Vereines einzuladen, um in derselben meine individuelle Meinung auszusprechen wie dem Auftrag am besten nachzukommen sey, welchen hoher Senat an diesem Physikalischen Verein ergehen lies, einen Vortrag zu machen, auf welche Art es zu bewirken sey, daß ins Künftige die öffentlichen Uhren in Frankfurt gleichförmig und nach mittlerer Zeitbestimmung richtig gingen.
Bekanntermaßen war in früheren Jahren (1828) die nämliche Idee bereits vom Physikal. Vereine selbsten in Anregung gebracht worden; aber die allerverkehrtesten Pläne wurden damals wegen dieser Uhrenregulirung ausgegrübelt und auch auf höchst lächerliche Art ausgeführt. Ein Beleg hiervon ist der Gnomen, welcher an der Stadt-Allee errichtet wurde, wodurch man nicht allein mehrere hundert (700?) Gulden auf eine vollkommen unnütze Art verausgabte.
[…]
Das Resultat des Machwerks des Physikalischen Vereines bewährt nur allzu richtig das scharfe Urtheil des Gothaer Astronomen; der im Jahr 1829 errichtete Gnomen ist und bleibt ein ganz nutzloses, ja für den gegenwärtigen Stand der Wissenschaft selbst lächerliches Denkmal, das so wie es ist, höchstens dienen kann, daß es Gassenbuben als Zielscheibe ihrer Steinwürfe gebrauchen.
Als ich vorstehend erwähnter Versammlung des Ausschusses des Physikalischen Vereines beiwohnte, ward mir mitgetheilt, daß der Senat 800 fl. Geld bewilligt habe, um die Instrumente zu erkaufen, welche zur Errichtung und Regulirung einer Normal Uhr in Frankfurt benöthigt wären und daß man in Folge dessen einen Chronometer und einen Theodoliden zu bestellen beabsichtige. Um Gottes Willen wozu will man diese beiden Instrumente verwenden. Die höchst wahrscheinlich wegen unkundiger Behandlung sehr schnell verdeibt werden dürften, die man übrigens im Vorbeigehen bemerkt, für jene Summe nur in ermäßiger Qualität erkaufen könnte, und welche, wie ich ganz ausdrücklich der Versammlung bemerkte, wahrscheinlich nur ungenügend dem Zweck die Stadt Uhren zu reguliren entsprechen und während man nach meiner Ansicht mit einer Ausgabe von 160 fl. derselben vollkommen genügen kann!
[…]
Mag nun meine Mittheilung aufgenommen werden, wie es beliebe, ich schließe dieselbe mit der Bitte, die aufrichtige Hochachtung zu genehmigen, womit ich verbleibe.
Ihr
Ganz ergebener Diener
Eduard Rüppel
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