Astronomie verbindet: Zwei Aktive im Verein im Gespräch
Was begeistert unsere Aktiven am Ehrenamt im Physikalischen Verein? Wie hat sich der Verein in den letzten Jahren geändert? Zwei Vereinsmitglieder berichten.
Theresa ist 2022 Mitglied des Physikalischen Vereins geworden. Sie engagiert sich im AstroClub, der Jugendgruppe des Vereins. Klaus gehört zu den „dienstältesten Mitgliedern“. Er ist als Teenager 1968 Mitglied geworden. In einem Gespräch sprechen die beiden über Angebote des Vereins für Jugendliche und über den Vereins damals und heute. Begonnen hat das Gespräch mit der Frage, wie die beiden Mitglied im Physikalischen Verein wurden.
Klaus: Bei mir fing die Begeisterung für Astronomie in der Bücherei an. Dort habe ich alle möglichen Bücher zum Thema Astronomie gelesen. Irgendwann habe ich dann mit meinem Vater die Sternwarte des Physikalischen Vereins besucht, da muss ich etwa 15 gewesen sein. In der Sternwarte sagte jemand dann zu mir: Durch die Beobachtung des Jupiters können wir dessen Bahn bestimmen. Da war mein Interesse für die Physik richtig geweckt. Ich konnte mir das nicht vorstellen, nur mit physikalischen Formeln und Beobachtungen die Bahn der Planeten berechnen zu können. Von Bekannten habe ich dann einen eigenen Feldstecher geschenkt bekommen. Mich hat das total fasziniert Planeten, Sterne und andere Objekte beobachten zu können. Meinen Vater hat das nicht so interessiert. Ihm hat es gereicht, das alles einmal zu sehen. Aber ich bin immer wieder gekommen.
Theresa: Mit der AstroAG an meiner Schule habe ich mal den Physikalischen Verein besucht. Damals haben wir als AG einen Vortrag besucht – und natürlich die Sternwarte. Naturwissenschaften und Mathematik haben mich schon vorher interessiert. Ich bekam dann eine Mitgliedschaft im Verein geschenkt – Infos über den AstroClub bekam ich auch dazu. Nach der ersten Schnupperstunde bin ich dabeigeblieben. Corona war gerade vorbei und da war das genau das Richtige, um mal rauszukommen. Der AstroClub war damals auch gerade aus seinem „Corona-Schlaf“ erwacht. Das erste große Projekt war unser RESPECT-S-Teleskop, nach Lieferschwierigkeiten waren endlich Montierung und Teleskop geliefert, nun stand der Aufbau an. Neben der praktischen Arbeit war es aber natürlich auch toll Gleichaltrige kennen zu lernen, die sich auch für Physik und Astronomie begeistern.
Klaus: So kann man sich auch meine Anfangszeit im Physikalischen Verein vorstellen. Es gab auch damals junge Mitglieder im Physikalischen Verein. Zweimal die Woche gab es eine öffentliche Beobachtung in der Sternwarte, dienstags und freitags. Es kamen immer 15 bis 20 Personen, darunter einige Besucher in meinem Alter. Sie saßen dann oben in einem kleinen Vortragsraum. Irgendwann war ich dann Teil der Gruppe von Jugendlichen, die regelmäßig kamen und auch darüber hinaus Dinge unternahm: Beobachtung von Planeten, der Sonne und Deep-Sky-Objekten, erste Schritte zur Astrofotografie… Auch die Tischtennisplatte im Gebäude war sehr attraktiv für uns. Die ersten von uns hatten schon einen Führerschein und wir sind ab und zu in den Taunus gefahren um Feuer zu machen und den Sternhimmel zu genießen. Relativ schnell wurde ich dann auch ehrenamtlich aktiv und habe die ersten Führungen in der Sternwarte übernommen. Dazu gehörte auch immer ein Vortrag vor der Beobachtung über die Sonne, den Mond, Apollo…
Ich hatte damals das Gefühl, dass wir jungen Leute sehr viel Freiheit im Verein hatten. Es war sehr unbürokratisch, wir konnten uns gut entfalten. Das war natürlich eine tolle Erfahrung für uns.
Theresa: Das ist heute eigentlich genauso. Wir treffen uns einmal die Woche, um zum Beispiel mit unserem Remote-Teleskop zu arbeiten. Heute sind Dietmar, Ilse oder Sebastian immer dabei, um als „Betreuer“ mit uns an Projekten zu arbeiten. Aber das ist auch schon alles an Bürokratie. Natürlich treffen wir Jugendlichen uns auch mal zu einem Spieleabend, einer Exkursion zu unserer Sternwarte im Taunus usw. Aber es geht auch viel um astronomische Themen.
Manchmal hat man schon das Gefühl, dass der AstroClub eine Untergruppe des Vereins ist, mit dem man sonst eigentlich wenig zu tun hat. Aber ich erinnere mich gerne an die erste Großveranstaltung, bei der ich als Ehrenamtliche mitgearbeitet habe – das muss ein Vortrag von Harald Lesch gewesen sein. Da hat man dann gleich altersübergreifend die Gemeinschaft wahrgenommen und sich total willkommen gefühlt. Ich empfinde das auch als sehr bereichernd mit Leuten zu sprechen, die nicht in meinem Alter sind, die eine ganz andere Perspektive haben, die auch mehr wissen: fachlich oder auch mit einer anderen Lebenserfahrung.
Klaus: Der Physikalische Verein hat meinem beruflichen Werdegang wertvolle Impulse gegeben. Ich habe Physik und Mathematik auf Lehramt studiert, zu dieser Entscheidung hat der Physikalische Verein auf jeden Fall beigetragen. Und es sind hier langjährige Freundschaften entstanden, viele Personen sind heute im Physikalischen Verein gar nicht mehr so aktiv aber privat sehen wir uns noch oft. Wenn ich einen Wunsch für die heutige Generation der jungen Vereinsmitglieder äußern dürfte wäre es genau dieser: Es müssen nicht alle aus dem AstroClub Physik studieren, aber der Physikalische Verein ist ein toller Ort, um Gleichgesinnte zu treffen und langjährige Freundschaften zu knüpfen. Das Hobby Astronomie verbindet.
Theresa: Nicht nur das Hobby Astronomie, sondern auch das Hobby Physikalischer Verein. Für mich ist der Verein wie eine Familie. Es macht Spaß mit Leuten zu arbeiten, die einen unterstützen, die ähnliche Interessen haben. Und es macht Spaß diese Begeisterung zu teilen, zum Beispiel bei Führungen in der Sternwarte. Das ist eine tolle Erfahrung zu sehen, wie begeistert Menschen sind, die zum ersten Mal einen Planeten „in echt“ durch das Teleskop beobachten. Bestimmt inspirieren wir jetzt schon die nächste Generation für die Astronomie und den Physikalischen Verein.
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