3I/Atlas: Den interstellaren Kometen von Frankfurt beobachten?

In den nächsten Wochen könnte die Beobachtung des interstellaren Objekts klappen.

3I/ATLAS wurde am 1. Juli 2025 von der Asteroid Terrestrial‑impact Last Alert System (ATLAS) – Station in Río Hurtado, Chile, entdeckt und zunächst als C/2025 N1 ATLAS registriert. Im Laufe der ersten Bahnanalysen zeigte sich, dass C/2025 N1 ATLAS seinen Ursprung außerhalb unseres eigenen Sonnensystems hat. Deshalb wurde der Name den Regeln der IAU folgend in 3I/ATLAS geändert. Die offizielle Bezeichnung setzt sich wie folgt zusammen: „3I“ bedeutet drittes bestätigtes interstellares Objekt (I = interstellar) und „ATLAS“ verweist auf den Entdeckungs-Survey. Bisher wurden nur zwei Objekte interstellaren Ursprungs beobachtet, nämlich 1I/Oumuamua und 2I/Borisov

3I/ATLAS folgt einer hyperbolischen Umlaufbahn – das heißt, nach der Passage des Sonnensystems wird er nie wieder zurückkehren. Kometen aus unserem eigenen Sonnensystem laufen auf oft sehr ausgeprägten Ellipsen um die Sonne, die sie aber trotzdem, oft nach mehreren 10.000 Jahren, wieder in das innere Sonnensystem zurückkehren lassen. Er weist eine extreme Bahnexzentrizität auf (e ≈ 6.14) und er bewegt sich mit etwa 60 km/s relativ zur Sonne. Damit ist er das schnellste Objekt, das jemals im Sonnensystem beobachtet wurde. Es gibt Hinweise darauf, dass sein Ursprung tief im interstellaren Raum liegt.

Bei der Entdeckung war das Objekt noch weit von der Sonne entfernt (ca. 525 Mio. km oder rund 3,5 Astronomische Einheiten (1 AE ≈ 150 Mio. km). Beobachtungen mit dem Hubble-Weltraum-Teleskop vom August 2025 legen den Kerndurchmesser auf zwischen 440 m und etwa ≤ 5,6 km fest. Diese grobe Angabe wird im Laufe der weiteren Beobachtungen sicher besser einzugrenzen sein.

Spektrale Messungen (unter anderem mit dem James-Webb-Weltraum-Teleskop) zeigen eine CO₂-dominierte Gas- und Staubhülle (Coma), mit einem CO₂/H₂O-Mischverhältnis von etwa 8:1 – ungewöhnlich hoch im Vergleich zu typischen Kometen unseres Sonnensystems (bis zu 1:9, Wasser überwiegt in jedem Falle deutlich den CO2-Anteil). Vieles deutet darauf hin, dass 3I/ATLAS ein aktiver Komet mit Ausgasung und Staubhülle ist und kein asteroidenartiger Himmelskörper.

Den Kometen von Frankfurt aus beobachten

Der sonnennächste Punkt (Perihel) wurde am 29. Oktober 2025 mit einem Abstand von rund 1,36 AE (203 Mio. km) erreicht. Der geringste Abstand zur Erde wird am 19. Dezember 2025 etwa 1,8 AE (≈ 270 Mio. km) erreichen – damit besteht keine Gefahr für einen Einschlag. 

Aufgrund der Größe und Entfernung ist der Komet nicht mit dem bloßen Auge sichtbar; Die Helligkeit wird mit 12-13m berechnet, größere Amateur­teleskope könnten ihn in den nächsten Tagen und Wochen unter idealen Bedingungen möglicherweise beobachten. Unter den lichtverschmutzten Bedingungen des Rhein-Main-Gebiets und seiner vergleichsweise geringen Helligkeit stellt die Beobachtung von 3I/ATLAS eine Herausforderung dar – unmöglich ist sie jedoch nicht. 

In Frankfurt empfiehlt sich ein dunkler Standort am Stadtrand, besser noch im Taunus. In den frühen Morgenstunden steht der Komet am östlichen Himmel, allerdings sehr nah am Horizont. Ein mittelgroßes Amateurteleskop, eine stabile Montierung sowie im besten Fall eine empfindliche Kamera erhöhen die Erfolgschancen deutlich. Visuell dürfte der Komet unter guten Bedingungen als diffuser, sternähnlicher Lichtfleck erscheinen; fotografisch lässt sich durch längere Belichtungszeiten und Bildstapelung („Stacking“) deutlich mehr Struktur in der schwachen Koma herausarbeiten.

3I/ATLAS und seine außerirdische Herkunft

Die auf Social Media immer wieder geäußerte Vermutung, es handele sich um eine Raumsonde oder gar ein Alienraumschiff, entbehrt allerdings jeglicher Grundlage und muss ins Reich überbordender Fantasie verwiesen werden. Die Aussagen verschiedener Wissenschaftler, ungewöhnliche Beobachtungen zu machen, weist nicht in Richtung Alientechnologie, sondern auf einen Himmelskörper, der außerhalb unseres eigenen Sonnensystems entstanden ist und sich deswegen von unseren bisherigen Erfahrungswerten unterscheidet. Wenn 3I/ATLAS doch eine Alienraumsonde für die Erderkundung ist, haben die Außerirdischen demnach grottenschlecht gezielt, der Komet wird die Erde deutlich verfehlen.

Als drittes bekanntes interstellares Objekt (nach 2I/Borisov und 1I/Oumuamua) bietet 3I/ATLAS aber eine seltene Gelegenheit, Material aus einem fremden Planetensystem zu untersuchen. Die ungewöhnlich hohe CO₂-Fracht sowie die Herkunft aus interstellaren Regionen könnten wichtige Hinweise liefern auf die Bildung und Zusammensetzung von Planetesimalen in anderen Sternsystemen.

Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass die Raumsonden-Mission JUICE der ESA, die gerade auf dem Weg ist, Teile des Jupitermondsystem zu erkunden, vergleichsweise nahe an 3I/ATLAS herankommt (bis zu 60 Mio. km). Die Instrumentierung der Sonde ist ideal für eine detaillierte Erkundung des Kometen geeignet. Diese Sonde ist derzeit eigentlich in einer „Non Activity-Phase“ ihres Fluges, die Projektwissenschaftler lassen sich diese einzigartige Gelegenheit, ein interstellares Objekt zu erforschen, nicht entgehen. Ein entsprechendes Beobachtungsprogramm wird derzeit geplant und in Folge durchgeführt. Ein kleiner Wermutstropfen ist die Tatsache, dass die Messergebnisse derzeit nur mit niedrigen Übertragungsraten abgerufen werden können und man erst im Februar damit rechnet, den kompletten Datensatz vorliegen zu haben.

3I/ATLAS ist somit ein faszinierender interstellarer Besucher, der mit hoher Geschwindigkeit unser Sonnensystem durchquert und uns einmalige Einblicke in die Materialien und Prozesse außerhalb unseres direkten Heimat­systems erlaubt. Zwar wird er uns nur kurz „streifen“, doch die Beobachtungen in dieser Zeit könnten unser Wissen über Kometen, Planetensysteme und die Zusammensetzung von Material aus anderen Regionen der Galaxie deutlich erweitern.